Ambulant Betreutes Wohnen

Ambulant Betreutes Wohnen bedeutet individuelle Hilfe. Wir unterstützen so Menschen mit einer kognitiven, psychischen oder Suchterkrankung bzw. einer geistigen Behinderung, die ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben in ihrer eigenen Wohnung oder einer Wohngemeinschaft führen möchten.

Durch die individuelle Betreuung unserer Klienten in ihrem Lebenszusammenhang und auf der Grundlage eines gemeinsam erstellten Hilfeplans streben wir eine weitgehende Stabilisierung und selbstständige Lebensführung an.

Unser Hilfsangebot orientiert sich dabei an den Bedürfnissen, Fähigkeiten und Zielen jedes einzelnen Menschen. Wir möchten die vorhandenen Potentiale erkennen, nutzbar machen und einsetzen. So unterstützen wir unsere Kundinnen und Kunden bei der Entwicklung ihrer Kompetenzen und Zukunftsperspektiven.

Unser Konzept beruht auf der Hilfe zur Selbsthilfe und will Menschen in wertschätzender Weise unterstützen, ohne sie zu bevormunden.

Eine selbstbestimmte Existenz bedeutet für uns alle, Höhen und Tiefen zu erleben, Herausforderungen anzunehmen, Hürden zu erkennen und zu meistern, Kompetenzen wahrzunehmen und einzusetzen, die Zukunft zu planen und zu gestalten – eben einfach zu leben!

Sollten Sie Interesse an unserem Angebot des Ambulant Betreuten Wohnens haben, kontaktieren Sie uns bitte. Wir beraten Sie gerne.

Konkrete Hilfen des Ambulant Betreuten Wohnens

Konkrete Hilfen des Ambulant Betreuten Wohnens Wir unterstützen unsere Kundinnen und Kunden in nahezu allen Bereichen und Belangen ihres Alltags, um ihnen ein möglichst selbstständiges und eigenverantwortliches Leben zu ermöglichen. Unsere Angebote im Einzelnen:

–– Strukturierung des selbstständigen Wohnens
–– Begleitung, Unterstützung und Beratung bei der täglichen Lebensführung und sinnvollen Alltagsgestaltung
–– Beratung und Unterstützung bei der Tages- und Freizeitgestaltung
–– Hilfe und Unterstützung bei Behördengängen und entsprechender Kommunikation
–– Unterstützung und Begleitung bei der Inanspruchnahme notwendiger medizinischer oder therapeutischer Maßnahmen
–– Begleitung und Unterstützung beim Auffinden weiterer Hilfen
–– Informations- und Entlastungsgespräche hinsichtlich der jeweiligen Erkrankung und damit verbundenen Besonderheiten
   und Schwierigkeiten
–– Hilfen zur Sicherung der materiellen Existenz und zu einem strukturierten Umgang mit dem Einkommen
–– Hilfen bei Aufbau, Umsetzung und Erhaltung sozialer Kontakte sowie familiärer und freundschaftlicher Beziehungen
–– Förderung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls
–– Stärkung der eigenen Kompetenzen

Fallbeispiele

Damit Sie einen Einblick in die Bandbreite unserer Angebote und Möglichkeiten bekommen, finden Sie hier Beispiele aus den unterschiedlichen Bedarfsgruppen.

1. Fallbeispiel eines geistig behinderten Menschen

Herr O. (35 Jahre alt) lebte bis vor Kurzem mit seiner Mutter in einem gemeinsamen Haushalt. Die alleinerziehende Mutter kümmerte sich bis zu ihrem Tod um seine Grundversorgung und seine Angelegenheiten. Als es ihr zusehends gesundheitlich schlechter ging, holte sie sich bei einer Kontakt- und Beratungsstelle Rat. Eine gesetzliche Betreuung wurde eingerichtet, die die Versorgung, Aufgaben und Anliegen übernahm. Als seine Mutter verstarb, wollte Herr O. weiterhin in der Wohnung bleiben und nicht in einem Wohnheim leben. Schnell wurde klar, dass Herr O. eine Unterstützung zum selbstständigen Wohnen benötigte – der gesetzliche Betreuer nahm Kontakt zur Aussicht GbR auf. Ein Hilfeplan wurde erarbeitet und ein Helfernetzwerk geschaffen. Der Antrag auf Eingliederungshilfe wurde bewilligt, so dass das Ambulant Betreute Wohnen (BeWo) umgesetzt werden konnte. Aufgrund der hohen Anforderungen an Herrn O. wurde zu Anfang der Eingliederungshilfen ein wöchentlicher Fachleistungsstundenaufwand von viereinhalb Stunden benötigt. Doch Herr O. zeigte schnell, dass er in der gemeinsamen Lebenszeit mit seiner Mutter eine Menge gelernt hat und dies auch anwenden kann. Schon nach einem Jahr konnte die wöchentliche Betreuungszeit auf drei FLS pro Woche reduziert werden.

Herr O. hat seine Arbeit bei der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) behalten. Zweimal in der Woche kommt die BeWo-Betreuung , die mit Herrn O. gemeinsam die Einkäufe erledigt sowie den Haushalt regelt. Einmal in der Woche kommt ein Pflegedienst und stellt die Medikamente. Herr O. fühlt sich weiterhin wohl in seiner Wohnung und hat schon Freunde gefunden, mit denen er sich ab und zu trifft. In der WfbM hat er eine Freundin kennengelernt. Jetzt denken beide darüber nach, ob sie vielleicht zusammenziehen …


2. Fallbeispiel eines psychisch kranken Menschen

Frau X., 35 Jahre alt, ledig und kinderlos, lebt allein und hat eine chronifizierte Psychose. Sie hört Stimmen und leidet unter starken Angst- und Panikstörungen. Sie traut sich deshalb nicht, ihr Haus zu verlassen. Frau X. ist arbeitslos und lebt von ALG II. Sie erhält seit einem Jahr von der Aussicht GbR Hilfen und Unterstützung zum selbstständigen Wohnen. Im nachfolgenden Interview stellen wir dar, was Frau X. bisher durch das Ambulant Betreute Wohnen erlebt und erreicht hat. Das Interview wird in anonymisierter Form und mit Genehmigung von Frau X. (Klientin, psychisch krank) und A (Aussicht GbR/BeWo) wiedergegeben.

A: Wie sind sie zum BeWo gekommen?

X: Als ich das letzte Mal in der Klapse war, da hat mir meine Zimmergenossin von der Aussicht erzählt, so BeWo und so. Ja, und die hatte mir auch `ne Telefonnummer gegeben; da hab‘ ich dann angerufen und die waren echt nett. Nach meiner Entlassung haben wir uns zum Kennenlernen verabredet und die sind dann auch zu mir gekommen und wir haben so über alles gesprochen. Herr S. (Fachleitung BeWo) hat dann erklärt, was das BeWo ist. Ich war ja platt, weil ich immer dachte, die schreiben einem alles vor und ich werde entmündigt. Das war aber ganz anders. Und dann hat Herr S. mir bei allem geholfen für das BeWo.

A: Warum hatten sie sich für das BeWo interessiert?

X: Ach, da könnte ich jetzt viel erzählen. Aber ich denke, dass mir klar geworden ist, dass bei mir so Vieles im Argen war und es so nicht mehr weitergehen kann. Mein Psychiater hatte schon oft vom BeWo gesprochen. Aber für mich war das so `ne Sache, die ich nicht wollte. Ich dachte, die können einem ja sowieso nicht helfen. Aber als wir dann sowas wie `nen Hilfeplan gemacht haben, da war ich erstaunt. Die haben sich echt für meine Situation interessiert. Echt, die haben jetzt nicht auf Moralpredigt oder so gemacht. Da war mal wirklich jemand, der mir zugehört hat und der versucht hat, mich zu verstehen.

A: Was hat sich durch das BeWo in ihrem Leben so verändert?

X: Wenn ich da zurückdenke, dann wird mir klar, dass ich mich um nichts mehr gekümmert hatte. Und so Sachen mit Ämtern und dem Geld – nee, das ging gar nicht mehr. Ich hatte so große Probleme mit dem Jobcenter und so und deshalb hab‘ ich kein Geld mehr bekommen. Fast hätte ich deshalb die Wohnung verloren. Wir haben uns sofort darum gekümmert und die Aussicht hat mich da echt unterstützt. Ich hatte meine Post nicht mehr geöffnet und die Schulden wurden immer mehr. Und gesundheitlich war da auch schon alles mau. Also, was jetzt noch wichtig ist, dass ich schon lange unter meiner schweren Depression leide und ich hab‘ da nichts mehr hingekriegt; mir war alles zu viel. Dann haben wir immer Termine gemacht und so Sachen gemacht, wo ich nicht mehr klarkam. Jetzt ist alles viel besser. Ich kann jetzt wieder besser schlafen. Und ich war jetzt schon über ein Jahr nicht mehr in der Klapse, weil – es geht mir viel besser.

A: Was waren das für Hilfen, die sie von der Aussicht GbR bekamen?

X: Ja, hab‘ ich ja schon gesagt – so Begleitung zu Ämtern und Beratung und so. Ich hab‘ jetzt viel mehr Ordnung in meinem Leben. Früher, da hab‘ ich mich um nichts mehr gekümmert. Heute ist das anders. Wir besprechen jede Woche, was so los ist. Und dann fragt mein Betreuer immer, was ich machen will mit den Problemen. Ach, ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Na ja, die haben halt geholfen, dass die Probleme gelöst werden und ich besser klarkomme.

A: Versuchen sie doch einmal zu beschreiben, woran sie gemerkt haben, dass die Hilfe Ihnen etwas bringt.

X: Ja, mir ging es nach einiger Zeit viel besser. Beim Arzt waren wir dann und ich habe andere Medikamente bekommen. Ach ja, die haben mir geholfen, dass ich die Termine alle einhalte, weil, sonst vergesse ich immer alles. Und so Begleitung, das war gut gegen meine Angst und dass ich in die Pötte komme. Ach ja, ich hatte meine Stromrechnung nicht bezahlt, weil das ging für andere Sachen drauf; das ist jetzt endlich vom Tisch. Bei der Schuldenstelle waren wir auch, das war voll peinlich. Da hab ich erstmal gesehen, wie viele Schulden ich habe. Aber mit dem BeWo zusammen ist mir das viel leichter gefallen.

A: Was würden sie jemandem raten, der unsicher ist mit dem BeWo?

X: Meinen sie, dass der Angst oder so hat?

A: Zum Beispiel.

X: Also, mir wäre es ohne das BeWo nie so gut gegangen, wie es jetzt ist. Die sind voll nett. Klar, die machen nicht alles, aber das ist korrekt. Mein Betreuer, der ist voll Mensch und hat `n gutes Herz. Der kann aber auch knallhart sein (lacht). Ich bin ja auch nicht ohne (lacht). Wenn die nicht gewesen wären, dann hätte ich die Wohnung verloren und ich hätte noch immer meine Ruine im Mund (Anmerkung: Die Zähne wurden inzwischen saniert). Man muss sich einfach überwinden und den ersten Schritt machen. Ich bereue das nicht. Was allerdings voll schräg ist, dass der Landschaftsverband die Stunden kürzen will. Ich brauche das doch und dafür muss ich halt kämpfen. Wenn ich Glück habe, dann kann ich im nächsten Monat eine Maßnahme vom Arbeitsamt machen, ich bin schon voll aufgeregt, weil, ich muss das schaffen. Aber mein Betreuer macht mir Mut und das gibt mir Kraft.

A: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

X: Hab‘ ich doch gern gemacht, jetzt kann ich auch mal helfen.


3. Fallbeispiel eines suchtkranken Menschen

Frank, 35 Jahre alt, hatte es nicht leicht in seiner Kindheit. Seinen Vater hat er nie kennengelernt und seine Mutter war selten zu Hause, da sie arbeiten musste. Im Jugendalter geriet Frank an die falschen Freunde. Er konsumierte zum ersten Mal weiche Drogen, später ließ er sich dann auf Heroin ein. Frank bemühte sich eine Zeit lang um eine Ausbildung, dann um eine Arbeit. Doch die Sucht hatte sein Leben voll im Griff. Alles drehte sich um die Beschaffung und den Konsum von Drogen. Die Alltagsprobleme wuchsen immer weiter an. Frank öffnete seine Post nicht mehr, der Strom wurde gesperrt, seine Wohnung blieb ungereinigt. Irgendwann ging Frank dann ins Methadonprogramm. Bei einem Beratungsgespräch wurde ihm das Ambulant Betreute Wohnen empfohlen. Frank nutzte seine Chance und ließ sich auf die Hilfe ein. Das Wichtigste für ihn war, dass er einen Menschen gefunden hatte, dem er vertrauen konnte und der ihn ernst nahm. Mit seinem Betreuer kann er über alles reden. Jetzt wird er bei seinen Alltagsproblemen beraten und begleitet. Zusammen überlegen Frank und sein Betreuer, wie sich seine Lebenssituation weiter verbessern könnte. In einem Hilfeplan setzen sie sich Ziele für sein Leben, die Frank nach und nach umsetzt. Inzwischen nimmt Frank an einem Lehrgang für Schweißer teil, seine Wohnung ist ordentlich und zum Heroin will er nie mehr zurück. Bald will er sich stationär entgiften lassen, damit er auch das Methadon nicht mehr braucht. Frank hat natürlich immer noch einige Probleme im Alltag. Es ist nicht alles gut geworden. Doch er weiß, dass er nicht alleine ist und einen Profi an seiner Seite hat. Dies gibt ihm die notwendige Sicherheit, sein Leben in andere Bahnen zu lenken.

Beratung

Jeder Mensch, der sich für Hilfen und Unterstützung in Form von Eingliederungshilfen entscheidet, hat seine eigene, individuelle Lebensgeschichte. Entsprechend unterschiedlich ist somit der Beratungsbedarf.

In einem Clearinggespräch (Klärungsgespräch) besprechen wir, wie die aktuelle Lebenssituation aussieht. Es soll zu einer angemessenen Entscheidung über die Inanspruchnahme von Hilfen beitragen. Ein solches Gespräch kann sowohl in der eigenen Wohnung als auch in einem unserer Besprechungsräume geführt werden und ist grundsätzlich unverbindlich. Im Anschluss daran überlegen und beraten wir, wie es weitergeht.

Die im Klärungsgespräch erfassten Informationen werden von uns selbstverständlich datenschutzrechtlich vertraulich behandelt.

Vermittlung

Neben dem Ambulant Betreuten Wohnen können auch weitere Hilfen sinnvoll sein. Bei der Suche nach den entsprechenden Partnern und Institutionen beraten wir Sie gerne.

Kooperation

Die Aussicht GbR kooperiert mit anderen sozialen Trägern.

Im kunst- und theaterpädagogischen Bereich arbeiten wir mit der Schule der Phantasie in Duisburg-Baerl zusammen und bieten dort eine Mal- und eine Theatergruppe an.

Eine lange, bewährte Zusammenarbeit verbindet uns mit verschiedenen Institutionen des gemeindepsychiatrischen Netzwerkes in Duisburg.

Wir unterstützen außerdem Initiativen wie die Duisburger Tafel e. V.

Auch in Arztpraxen und in Krankenhäusern, bei Sozialstationen und Pflegediensten sowie bei gesetzlichen Betreuern und bei der Bewährungshilfe sind wir als erfahrener Kooperationspartner bekannt.